Franfurter Neue Presse vom 1. März 2010

 

Mystisch und abstrakt – so lassen sich die Bilder von Jürgen Hanisch charakterisieren.

Von Elisabeth Hofman-Mathes

 

Zeilsheim. Gemalt hat er schon seit frühster Kindheit, stets mit Farbe und unterschiedlichen Materialien experimentiert. So finden sich in seinem Atelier in der Pfaffenwiese nicht nur Farbe und Pinsel, sondern auch das, was Jürgen Hanisch aus seinem Umfeld zusammen trägt, um es später in seine Werke einzubinden. Äste, Bambuszweige mal ein Stück Kachel, ein Brief oder ein paar Kastanienschalen.

Hanisch bindet ein, verbindet Zufälliges und Vergängliches in seinen Bildern, fügt zu einen neuen Ganzen zusammen. Das Ergebnis sind seine abstrakten „Materialbilder“, wie er sie nennt, die rätselhaft und mystisch erscheinen und viel Interpretationsspielraum lassen. Als „göttliche Farbe“ etwa interpretierten Franziskanermönche seine Farbgebung, sahen religiösen Bezug in seinen Bildern. Seither schmücken seine Werke als Dauerleihgabe das Exerzitienhaus in Hofheim. „Ich bin selbst nicht religiös“ sagt der Künstler, der in seinen Werken keine kirchlichen Motive verarbeitet. „Ich habe auch nicht vor, Botschaften zu vermitteln“, sagt Hanisch. Nicht nur seine Bilder, sondern auch ihre Titel geben Rätsel auf: „El acertijo del faro“ (Das Rätsel des Leuchtturms), „Die Rückseite des Mondes“, oder „Camouflage“ (Irreführung). Hanisch spielt mit dem Rätselhaften.

Inspirieren lässt sich der Zeilsheimer Künstler gerne von der Natur, von seinen Pflanzen in seinem kleinen Garten. „Er ist absolut naturverbunden“, beschreibt ihn seine Frau Carmen. In ihrem Zeilsheimer Haus teilt sich das Ehepaar die Räumlichkeiten. Zur Straße hin berät Ehefrau Carmen ihre Kunden in Sachen Büro- und Objekteinrichtung. Über ihr Büro führt der Weg in sein zweckmäßig eingerichtetes Atelier. Ein großer Tisch in der Mitte, Regale mit Farben, ein paar ältere Werke lehnen an der Wand, an der er kleine weiße Zettel gepinnt hat. Telefonnummern von befreundeten Künstlern oder auch Skizzen spontaner Ideen, die am Frühstückstisch, beim Spaziergang oder im Garten entstanden sind. „Manchmal wird die Idee sofort umgesetzt“. Doch oft verändern sich seine Bilder während des Schaffensprozess. In mehreren Phasen arbeitet er an seinen Werken, muss sie immer wieder stehen lassen und trocknen lassen. Hanisch arbeitet in verschiedenen Schichten. Auf einer Kunststoffplatte trägt er zunächst Dispersionsfarbe auf, schafft mit Spachtelmasse Strukturen, bindet seine Materialien ein. Zum Schluss erfolgt der Auftrag Acrylfarbe, oder aber auch mal das komplette Abschleifen der bisherigen Arbeit, wenn sie dem Künstler nicht mehr zusagt.

Seit ein paar Jahren hat er sich in dem kleinen Atelier in der Pfaffenwiese eingerichtet. Nachdem er über Jahrzehnte die Malerei neben seinem Beruf als Messebaudesigner ausgeübt hatte, widmet er sich als freischaffender Künstler seit 2005 nun vollständig seiner Kunst. Und hat prompt Erfolg gehabt. In seiner ersten Ausstellung (2004) in der Galerie 88 in Hanau „hatte ich bereits nach 10 Minuten das erste Bild verkauft.“ Ein erstaunlicher und völlig unerwarteter Erfolg, wie er meint. Er ist bescheiden und sich selbst genug. Konzentriert sich lieber auf sich selbst und spannt in seinen heutigen Arbeiten den Bogen über seine eigene künstlerische Ausflüge der vergangenen Jahre, wie die Landschafts- Ikonen- und abstrakte Malerei. „Mit dem Mainstream befasse ich mich nicht. Ich möchte unabhängig bleiben und nicht beeinflusst werden“. Erklärt er. Manchmal allerdings macht er auch eine Ausnahme, rührt ausnahmsweise kräftige Farben, statt der üblichen gedämpften erdfarbenen an. „Man muss ja auch mal was anderes machen“, sagt er fast entschuldigend und lächelt.