Hanauer Anzeiger vom 15. März 2004

 

Auch mit der Werbung wird abgerechnet

Jürgen Hanischs Papiercollagen charakterisieren den Verfall

 

Hanau. Die Vergänglichkeit die Morbidität ist es, die der Frankfurter Jürgen Hanisch mit seinen Collagen darstellen will. Fein verästelte Strukturen der Oberfläche und Erdfarben dominieren seine künstlerische Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Die Besonderheit in der Darstellung: Was wie eine reliefartige Oberfläche wirkt und bisweilen an verrostetes Metall oder an Stein erinnert, ist tatsächlich nur zweidimensional. Denn Hanisch schleift die aufgetragenen Papiercollagen mit den unterschiedlich dicken Farbschichten wieder ab und erhält so die Maserungen. 33 Werke aus den letzten zwei Jahren zeigt Hanisch derzeit in der Galerie '88' bis zum 30. April.

Es ist Hanischs erste Ausstellung, doch schon in seiner Jugend nahm er an Waldorfschulkursen für Malen und Zeichnen teil. Neben seiner Tätigkeit als Werbegestalter und Messebaudesigner bildete er sich privat weiter, beschäftigte sich mit Ikonenmalerei und Aquarelllandschaften. Die Richtung der freien Malerei und der Collagentechnik prägt seit zwei Jahren seinen Stil. "Die Bilder stellen zwar einerseits den Charakter des Verfalls dar, aber sie sind auch eine Abrechnung mit der Werbung", erklärt Hanisch, der sich von Berufes wegen mit Plakativität und Inszenierung der Effekte auseinander setzt.

Hanisch integriert als Grundierung in seine Werke verschiedene Texte, die diversen Zeitungen, einem japanischen Taschenbuch oder Comiczeichnungen entstammen. Je nach Dominanz verleihen sie den Bildern etwas sehr Gegenständliches mit plakativer Aussage. Durch die dick aufgetragenen Schichten der Acrylfarben werden die Texte in Teilen freigelegt. "Dabei inspirierten mich Plakatwände, an denen ebenfalls mehrere Schichten übereinander kleben und die zum Teil schon abgerissen sind.", beschreibt Hanisch. In anderen Bildern wirken die Papier- und Farbschichten rein als strukturbildendes Element. Die Farbschichten werden wieder abgeschliffen und die neu entstandene Oberfläche lasiert. Dadurch kreiert Hanisch unterschiedliche Farbstärken, die Punkte oder Löcher akzentuieren und deren bis ins kleinste Detail verästelten Strukturen an ein feines Netzwerk oder gar an kraterähnliche Landschaften erinnern. Die stilistische Darstellungsweise ist unterschiedlich. Konkrete Inhalte arbeitet Hanisch durch bildhaftes Material ein, die Leben und Tod symbolisieren oder beispielsweise in "Letter to Daschle" auf die Milzbrandbriefe anspielen. Andererseits nutzt er die Collage für geometrische Akzente oder reduziert die Bilder rein auf Oberflächenstruktur und Farbschattierungen, von denen die perspektivische Wirkung ausgeht. Die Ausstellung in der Galerie '88 kann nach telefonischer Vereinbarung unter 0 6181/8 57 88 besucht werden. (ege)